Dringend abzuraten!
Die ersten Investitionen bei Exporo habe ich bereits 2019 getätigt. Grundsätzlich war ich mir des Risikos bei Investition mit einem deutlich über dem Markt liegenden Zinssatz bewusst. Die 2018 noch relativ junge Plattform hatte aber mit der durchweg guten Presse und den guten Bewertungen sowie deren Bewertungssystem eine interessante Chance geboten.
Die ersten breit gestreuten Projekte wurden durchaus mit guten Ergebnissen erfolgreich abgeschlossen.
Ab den Corona-Jahren hat sich dann allerdings alles verändert. Dies betraf bei Exporo in meiner persönlichen Wahrnehmung aber nicht nur das gesamte Marktumfeld, sondern in großem Maße die internen Prozesse und das Geschäftsmodell bzw. die Zielsetzung des Unternehmens.
Die Veränderungen sind an einigen entscheidenden Bausteinen des Geschäftsmodells ersichtlich.
- Nutzer-Backend
Das Backend wird seit mehreren Jahren nicht mehr gepflegt oder auch nur im geringsten verbessert. Die Kombination aus dem Exporo-Backend und dem Baader-Bank Depot war von Anbeginn an eine UX Herausforderung. In den ersten Jahren wiederholte der Kundesupport stoisch die These, dass das Backend sehr bald vereinheitlicht und deutlich übersichtlicher gestaltet wird.
Bei den Quartalsberichten werden z.B. seit Q2 2024 bei allen Bestandsprojekten die GEPLANTEN Ausschüttungen, Mieteinnahmen und Renditen mit 0 angegeben. Die tatsächlichen Daten werden korrekt im Diagramm angezeigt.
Die Option zur automatischen Auszahlung von Guthaben ist zwar seit Jahren aktiv - funktioniert aber nicht.
Das Zusammentragen der tatsächlich erfolgten Auszahlungen ist ein wildes Herumgeklicke in den unterschiedlichen Masken. Immerhin ist die Jahressteuerbescheinigung an einer Stelle zu finden - wenn man denn weiß, wo.
Begleitet wird das von einer Vielzahl von Bugs, die eigentlich im Rahmen der Maintenance längst hätten gefixt sein müssen: nicht funktionierende Sortierreihenfolge-Optionen in Tabellen, nicht funktionierende "Einträge je Seite" Dropdowns, fehlende Übersetzungen, Skript-Fehler, usw.
- Reporting
Das Reporting in den Quartalsberichten ist eher ein Ansammlung von wiederkehrenden Standardtextbausteinen. Überraschend oft sind die Instandhaltungsrücklagen der Grund für eine ausbleibende Auszahlung. Dies ist teils etwas überraschend, da der Zustand der Objekte bei der Vergabe der Ratings hätte eingehen sollen...
Bei Finanzierungs-Projekten, bei denen die Zahlung ausfallen oder die Projekte in Verzug gekommen sind ist der Informationsfluss mehr als dürftig. Zumeist kommen hier maximal alle 6 Monate recht inhaltsleere News - schwere Marktlage, unerwartet niedrige Nachfrage, alle Beteiligte sind guter Dinge, dass es bald voran geht...
Von einem echten Forderungsmanagement ist nichts zu spüren oder zu sehen.
- Projektausfälle
Insgesamt ist die Quote der ausgefallenen und ohne Zinszahlung geführten Projekte deutlich über 70%. Meine Investitionen hatten durchweg die besten Ratings, um eben das Ausfallrisiko soweit überhaupt möglich zu senken.
Die Anleihen- und Bestands-Objekte werden auf dem Marktplatz mittlerweile mit sehr massiven Abschlägen von mindestens 15 % bis über 50 % angeboten - sind aber dennoch praktisch unverkäuflich.
Bei den Bestandobjekten ist die Ausschüttungsquote deutlich geringer, als zunächst angedeutet. Von den 5 - 6 % bleiben bei meinem ca. 14 Projekten im Schnitt 1 -2 % vor Steuern nach...
Die Verkaufsangebote für Bestandsobjekte aus dem Exporo Dashboard werden aktuell nicht mehr auf dem internen Marktplatz angezeigt. Sie erscheinen nur auf dem öffentlichen Marktplatz.
Schmunzeln könnte man ein wenig über die Handelsplatzbilanz, die auf dem öffentlichen Marktplatz angezeigt wird. Die dort angezeigten durchgehenden Abschläge von eben den erwähnten über 50% werden dort angezeigt und sollten für sich sprechen.
Nicht unbedingt vertrauenssteigernd war meine persönliche Erfahrung mit dem Telefonsupport. Direkt auf den wirtschaftlichen Zustand des Unternehmens angesprochen und der damit verbundenen Frage, ob ich meine Guthaben lieber immer zeitnah selber abbuchen sollte, wurde das "hinter vorgehaltener" Hand dringend empfohlen...
Zusammenfassend
- Hohe Ausfallquote der Projekte
- Deutlich geringere Ausschüttungsquote
- Kein wahrnehmbares Forderungsmanagement
- Schlechter Informationsfluss
- Vernachlässigtes, schlecht zu bedienendes Backend